IrreführendSicherheit

“Privatjets sind viel gefährlicher als Linienflüge.”

Urteil: Das hängt ganz davon ab, welchen „Privatjet“ man meint. Firmenflugabteilungen mit professionell besetzten Jets haben Unfallraten, die mit denen der Airlines vergleichbar sind – in manchen Jahren sogar besser. On-Demand-Charter nach FAA Part 135 lag historisch etwas höher, und von Eigentümern selbst geflogene Leichtflugzeuge liegen noch einmal darüber. Alles zusammen als „privat“ in einen Topf zu werfen, erzeugt erst die erschreckende Schlagzeile.

Die US-Unfallstatistiken werden nach Regelwerk aufgeschlüsselt, nicht danach, ob die Passagiere reich sind. Linienfluggesellschaften fliegen nach Part 121, On-Demand-Charter nach Part 135, und Firmen- oder eigentümergeflogene Flugzeuge nach Part 91.

Das NTSB und Branchenanalysten haben durchgängig festgestellt, dass Part-121-Airlines die niedrigste Unfallrate aller Segmente haben, mit Bruchteilen eines Unfalls pro 100.000 Flugstunden. Part-135-On-Demand-Betrieb lag höher – in vielen Jahren im niedrigen einstelligen Bereich pro 100.000 Stunden –, wobei speziell Jets deutlich besser abschneiden als die Hubschrauber- und Kolbenflugzeug-Segmente, die sich dieselbe Kategorie teilen. Professionell geflogene Firmenjets (eine Untergruppe von Part 91) haben Raten erreicht, die mit den Airlines konkurrieren; ein oft zitierter Vergleich aus dem Jahr 2011 bezifferte die Firmenfliegerei auf 0,061 Unfälle pro 100.000 Stunden gegenüber 0,175 bei den Airlines in jenem Jahr.

Was das Risiko wirklich erhöht: Einpilotenbetrieb bei anspruchsvollem Wetter, kurze, unbekannte Start-/Landebahnen und Betreiber mit dünner Sicherheitskultur. Was es senkt: Zwei-Mann-Cockpits, unabhängige Sicherheitsaudits (ARGUS, Wyvern, IS-BAO) und moderne Avionik. Ein seriöser Charter auf einem modernen Jet ist sehr sicher; er ist nur eben nicht identisch mit einem Linienflugzeug, und es ist ehrlich, das auch zu sagen.

Quellen: ntsb.gov · nbaa.org

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