WahrGeschichte

“Der Learjet war ursprünglich ein Schweizer Kampfjet.”

Urteil: Im Wesentlichen wahr. Flügel, Hauptfahrwerk und Tankanordnung des Learjet 23 wurden direkt vom FFA P-16 übernommen, einem Schweizer Erdkampfflugzeug, das die Schweizer Luftwaffe 1958 nach dem Absturz zweier Prototypen strich. Bill Lear kaufte die Entwicklungsarbeit, gründete die Swiss American Aircraft Corporation, fügte einen neuen Rumpf und zwei Triebwerke hinzu und verlegte dann alles nach Wichita. Der erste Business-Jet, der seinen Namen trug, ist ein Jägerflügel mit angeschraubtem Büro.

Der P-16 wurde von den Flug- und Fahrzeugwerken Altenrhein für den Betrieb von kurzen alpinen Flugpisten entworfen: ein dünner, gerader Flügel mit hoher Streckung und Flügelspitzentanks, einfach und robust gebaut für hohe Unterschallgeschwindigkeit und niedrige Landegeschwindigkeit. Die Schweiz bestellte 100 Stück und strich das Programm dann, nachdem der zweite Prototyp im Bodensee notgewassert war.

Lear, der sein Vermögen mit Autoradios und Flugzeug-Autopiloten gemacht hatte, sah in dem Flügel die Abkürzung, die er brauchte. Er stellte den P-16-Ingenieur Hans-Luzius Studer ein, gründete 1960 SAAC in St. Gallen und entwarf um den Flügel herum die „SAAC-23“ mit Druckkabine und zwei General-Electric-CJ610-Turbojets. Frustriert vom Tempo der Schweizer Fertigung verlegte er 1962 das gesamte Projekt nach Wichita, Kansas, und nannte es Lear Jet Corporation. Der Erstflug fand am 7. Oktober 1963 statt; die FAA-Zulassung kam im Juli 1964.

Die Jäger-DNA zeigte sich. Der 23 war schnell, hatte eine hohe Überziehgeschwindigkeit und verlangte präzises Handling – was zu einer Reihe früher Unfälle beitrug. Spätere Learjets entschärften den Flügel mit Vorflügel-Manschetten und Winglets, aber der grundlegende Flügelgrundriss überlebte bis zum Learjet 75, dessen Produktion 2022 endete.

Quellen: en.wikipedia.org · en.wikipedia.org · aerospaceweb.org

Aircraft in this story

Mehr Hangar-Talk

Weiter staunen